Das Konzept der SESB

Wie funktioniert die SESB?

Wie funktioniert die SESBIn der Staatlichen Europa-Schule Berlin (SESB) gilt das Prinzip „Lernen in Partnerschaft”. Dies ist nicht bloß eine leere Worthülse. Die Kinder lernen zwei Sprachen – wechselseitig voneinander. Und sie lernen in zwei Sprachen. Aus diesem Grund sind die Klassen der SESB jeweils zur Hälfte mit Kindern der beiden Sprachgruppen Französisch und Deutsch besetzt.

Die Herkunft oder Nationalität der Kinder ist dabei unerheblich. Wichtig ist, sie sprechen eine der beiden Sprachen wie eine Muttersprache.

Die LehrerInnen

Lehrerinnen und Lehrer in der SESB sind grundsätzlich Muttersprachler. Die meisten von Ihnen sprechen oder verstehen beide Sprachen.

Fortsetzung: Wie funktioniert die SESB?

Mutter- und Partnersprache

In der Konzeption der SESB wird die Sprache des ersten Lesens und Schreibens stets als ‚Muttersprache‘ bezeichnet. Es ist eigentlich die Alphabetisierungssprache. Grundsätzlich gibt es in jeder unserer zweisprachigen Klassen auch zwei Lerngruppen: die Kinder mit deutscher ‚Muttersprache‘ und die mit Französisch als ‚Muttersprache‘. Bei der Anmeldung legen die Eltern fest, zu welcher der beiden Gruppen ihr Kind gehören wird.

Deutsch als Muttersprache wird wie in allen Berliner Schulen gelehrt, Französisch als Muttersprache nach dem Rahmenplan der SESB, der zum großen Teil dem französischen Rahmenplan entspricht. Die jeweils andere Sprache sehen wir in der Europaschule nicht als eine Fremdsprache an. Wir nennen sie die Partnersprache. Die Partnersprache lernen die Kinder im ersten Jahr überwiegend verbal kennen. Erst nach Abschluss des Lese- und Schreiblehrganges in ihrer jeweiligen Muttersprache beginnen sie, auch in der Partnersprache zu lesen und zu schreiben.

Der Mathematikunterricht

In allen Europaschulen Berlins lernen die Kinder Mathematik in der deutschen Sprache. Dies gilt auch für die weiterführenden Schulen.

Sachkunde

Sachkunde wird vom ersten Schuljahr an für alle Kinder durchgängig in Französisch unterrichtet. Ab der 5. Klasse gibt es statt Sachkunde die Fächer Geografie, Naturwissenschaften und Geschichte. Auch sie werden in der französischen Sprache nach dem Berliner Rahmenplan unterrichtet. Auch hier setzt sich die Arbeit der Grundschule in der weiterführenden Schulen der SESB fort: Naturwissenschaften und Geschichte/Sozialkunde bleiben bis zum Ende die in Französisch unterrichteten Fächer.

Kunst, Musik, Sport

Kunst, Musik und Sport sollten, wenn es die personellen Kapazitäten der Schule zulassen, zu ca. 50% in französischer Sprache unterrichtet werden.

Erste Fremdsprache

In allen Europaschulen Berlins mit dem Schwerpunkt Französisch ist die erste Fremdsprache Englisch. Der Englischunterricht beginnt ab der 5. Klasse.

Zusätzliche Angebote

Soweit es die Rahmenbedingungen erlauben, versuchen wir, weitere zusätzliche Angebote zu machen, bei denen inhaltliches Lernen, Spaß und die französische Sprache eine spannende Mischung ergeben. Wir bieten verschiedene AG’s an, zum Beispiel Fußball, Capoeira, Tanzen, usw., die teilweise in französischer Sprache animiert werden. Außerdem arbeitet eine französische Klavierlehrerin an der Schule, die einzelnen Kindern Klavierunterricht gibt.

Wer kann in eine zweisprachigen Klasse aufgenommen werden?

Grundsätzlich steht die Europaschule jedem Kind offen, das in Berlin lebt oder in Kürze nach Berlin zieht. Eine Beschränkung hinsichtlich der Nationalität oder der zu Hause gesprochenen Sprache gibt es nicht.

Wichtige Voraussetzungen für die Aufnahme

Jedes Kind der Europaschule muss bei Schuleintritt mindestens eine der beiden Sprache – Deutsch oder Französisch – wie seine Muttersprache beherrschen, und zwar auf einem guten bis sehr guten Niveau. Eine der beiden Sprachen „wie eine eigene Muttersprache zu beherrschen” bedeutet, sich in dieser Sprache altersgemäß gut ausdrücken zu können. Es heißt aber auch, Anweisungen, Aufgabenstellungen oder Erzählungen in dieser Sprache gut oder sehr gut zu verstehen.

Selbstverständlich darf jedes Kind nachfragen, falls etwas sprachlich verzwickt oder inhaltlich kompliziert wird. Es soll dies sogar tun. Unsicherheit darf herrschen, grobe Unkenntnis der Sprache aber nicht. Dass es zunehmend Kinder gibt, die die eigenen Muttersprache nicht mehr beherrschen, wissen wir inzwischen alle. Diesen ist der Weg in die Europaschulen verschlossen. Dafür öffnet die Formulierung „wie eine eigene Muttersprache” all jenen Migranten die Türen der SESB, die sich soweit integriert haben, dass Sprache keine Barriere mehr darstellt.

Kinder, deren tatsächliche Muttersprache weder Deutsch noch Französisch ist, dürfen wir abweisen, wenn diese tatsächliche Muttersprache an einer anderen Europaschule in Berlin Unterrichtssprache ist. Die staatliche Europaschule Berlin ist ein vergleichsweise teures Modell. Es liegt nahe, dass die Verantwortlichen auf ihre Weise Sorge dafür tragen, dass dieses Modell Bestand hat. Daher ist es politisch gewünscht, dass Kinder, die eine der Sprachen der SESB-Schulen sprechen, auch diese Standorte mit ihrer Anwesenheit bereichern.

Kinder, die nach der Einschulung der in deutscher Sprache alphabetisierten Gruppe zuzurechnen sind [siehe: ‚Muttersprache‘], müssen zumindest passive Kenntnisse der französischen Sprache nachweisen. Dies wird vor der Einschulung mittel einer Sprachstanderhebung überprüft. Es ist naheliegend, von den Kindern zu verlangen, dass sie bei der Einschulung zumindest passive Basiskenntnisse der Partnersprache mitbringen sollen.

In früheren Jahren war dies anders. Es gab die Vorschule und diese konnte all jenen, die nicht über französischen Sprachkenntnisse verfügten, den Weg in die SESB ebenen. Man mag den Wegfall der Vorschule bedauern, die Tatsache bleibt aber dennoch bestehen. Die Forderung nach zumindest passiven Sprachkenntnissen der Partnersprache Französisch dient dem Schutz der Kinder.

Denn ab dem ersten Tag findet ein beträchtlicher Teil des Unterrichts in Französisch statt. Wer hier nicht auf Dauer frustriert werden soll, muss daher von Anfang an etwas mitbringen: Französische Sprachkenntnisse. Für die Kinder, deren Muttersprache Französisch ist, sind diese Anforderungen nicht gleich streng. Dies scheint auf den ersten Blick ungerecht – aber eben nur auf den ersten. Bei genauerer Betrachtung wird schnell deutlich, dass diese vorgebliche Ungerechtigkeit triftige Gründe hat.

Die Europaschule tut gut daran, sich all denjenigen frankophonen Kindern zu öffnen, die gerade erst nach Berlin kommen. Denn sie sind der Garant dafür, dass Französisch nicht nur Unterrichtssprache bleibt. Durch sie wird Französisch automatisch auch Spielsprache. Zu einer überwiegend deutschsprachigen Umgebung stellt jedes französischsprachige Kind ein kleines, aber enorm wichtiges, Gegengewicht dar.

Wahl der Alphabetisierungssprache

In der SESB-Konzeption spricht der Senat von ‚Muttersprache‘. Sprechen wir mit Vertretern anderer Schulen oder des Senats, tun wir dies auch. Korrekter ist jedoch der Begriff Alphabetisierungssprache.

In den ersten zwei Schuljahren lernen die Kinder Lesen und Schreiben. Die Beschäftigung mit der Schriftsprache ist in diesen beiden Jahren zentral. In den Standorten der Staatlichen Europaschule Berlin (SESB) lernen die Kinder einer Klasse in zwei gleich großen Gruppen jeweils in einer der beiden Sprachen Lesen und Schreiben. Bei uns ist jedes Kind also entweder in der Gruppe der auf Deutsch oder der Gruppe der auf Französisch alphabetisierten Kinder. Kein Kind lernt im Unterricht der SESB Lesen und Schreiben in beiden Sprachen zugleich. Es muss sich vor Schuleintritt für eine der Gruppen entscheiden. Da es das noch nicht kann tun wir es für das Kind, Sie – die Eltern und wir – die Lehrer.

Was sollte bei der Wahl der Alphabetisierungssprache berücksichtigt werden?

Das Kind muss die Sprache, in der es Lesen und Schreiben lernt, nicht nur verstehen – es muss sie auch aktiv sprechen. Bei Kindern aus bilingualen Familien spielen bei der Wahl der Alphabetisierungssprache sicher mehrere Faktoren eine Rolle, so zum Beispiel:

  • die Frage, welche Sprache des Kindes die stärkere ist
  • die Lebensplanung der Eltern
  • die Möglichkeiten beider Partner, das Kind in seiner schulischen Entwicklung zu unterstützen

Wie sollte man sich entscheiden, wenn das Kind beide Sprachen gut beherrscht?

Im Idealfall haben Sie die freie Wahl. Das Kind spricht gut Französisch, das Kind spricht gut Deutsch.
Viele der Eltern entscheiden sich in diesem Fall für Französisch als Alphabetisierungssprache. Sie gehen davon aus, dass das Kind überproportional viel Deutsch hört und spricht. Es lebt schließlich in Deutschland. Deutsch ist Spielsprache. Wüchse das Kind in Frankreich auf, würden sie sich für Deutsch entscheiden.

Die Grundidee dieser Argumentation ist klar: Bei annähernd gleich starker Entwicklung beider Sprachen sollte diejenige Sprache die stärkste schulische Unterstützung erfahren, die im Alltag weniger stark gestützt wird.

Sollte das Kind mitentscheiden?

Wir möchten dies nicht ausschließen, möchten jedoch auf einige Probleme hinweisen, die auftreten könnten:

  • Kein Kind von fünf Jahren ist sich der Tragweite einer solchen Entscheidung bewußt. Es kann noch nicht abschätzen, welche Konsequenzen eine solche Entscheidung hat.
  • Kinder sind häufig bemüht, ihre Eltern bei guter Laune zu halten. Je nachdem wer fragt, könnte das Kind eine bestimmte Erwartung vermuten und entsprechend antworten. Die gegebene Antwort muß nichts den wahren Wünschen oder Bedürfnissen des Kindes entsprechen.
  • Viele Kinder leiden, wenn sie zu früh die Verantwortung Lebensentscheidungen mit langfristigen Folgen aufgebürdet bekommen.

Und wenn wir uns nicht entscheiden können?

Falls Sie sich nicht entscheiden können, werden wir Sie gerne beraten.